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Mit Frölein Da Capo um den Baum

Willisau «Einmal um den Baum» heisst Irene Brüggers alias Frölein Da Capos drittes Buch – auserwählte Kolumnen, die bereits in der «Schweizer Familie» erschienen sind. Mit demWB spricht sie über das Schreiben, Schattenplätze und dreibeinige Einhornponys.
Irene Brügger alias Frölein Da Capo hat ihr drittes Buch «Einmal um den Baum» veröffentlicht. Foto Chantal Bossard

 

Frölein Da Capo, bereit für ein Rätsel?
Kommt drauf an.

Wieso?
Ich mag nicht alle Rätslies. Konventionelle Kreuzworträtsel etwa – find ich langweilig.

Es ist kein Kreuzworträtsel.
Da bin ich schampar froh.

Ich will testen, wie gut Sie Ihre eigenen Kolumnen kennen. Ich beginne mit einem Anfang und Sie raten, um welche der 44 Geschichten aus Ihrem neuen Buch es sich handelt.
Das nenn ich mal eine Herausforderung. Gut, ich bin bereit.

Also: «Wir machen heuer Ferien auf Balkonien.»
Hmm. Ist es die Geschichte mit der Badi? Wir konnten nicht ans Meer fahren und verbrachten den Sommer in Willisau. Darüber hab ich glaubs mal geschrieben.

Glaubs?
Ich schreibe jede Woche eine neue Kolumne für die Schweizer Familie. Nur eine Auswahl davon habe ich zu einem Buch drucken lassen. Da ist es schwierig, alle im Kopf zu haben.

Sie haben das Buch nach dieser Episode benannt.
Einmal um den Baum! Stimmt. Das ist die Badi-Geschichte. Ich weiss auch nicht recht, wieso das Büchlein ausgerechnet den Namen dieser Episode trägt. Aber im Nachhinein ist er trotzdem ziemlich passend.

Wieso?
In der Kolumne gehts darum, dass ich in der Badi dem Schatten eines Baumes folge – und so im Laufe des Tages mit meinem Badetuch einmal um den Baum wandere. «Einmal umden Baum» könnte jedoch auch ein Jahr symbolisieren. Und die Geschichten im Buch habe ich ebenfalls den verschiedenen Jahreszeiten zugeteilt.

Dem Schatten nach… Liegen Sie nicht gerne an der Sonne?
Ich meide die Sonne wie ein Vampir. Deshalb werde ich auch nie braun, sondern maximal beige. Das ist sowieso gesünder – und an der Sonne ist es mir einfach zu heiss.

Ein Sprung ins kühle Nass…
…kommt nicht in Frage! Ich gehe nie ins Wasser, egal ob am Meer oder in der Badi. Ich hab keine Lust zum Plantschen. Ist vielleicht das Alter?

Für was fühlen Sie sich noch zu alt?
Für fast nichts. Gummibärli esse ich keine mehr, aus Vernunft. Aber Kilbibahnen finde ich zum Beispiel nach wie vor super. Den Heubörzu mache ich auch nicht mehr, momentan übe ich dafür den Kopfstand – eine etwas schräge Angelegenheit. Ah, und ich verspreche Ihnen: Ich werde nie mehr auf dem Boden schlafen!

Wieso sollten Sie?
Wir sitzen hier gerade in einem frisch umgebauten Haus. Als dieses jedoch noch im Rohbau war, wollten die Kinder unbedingt schon einmal in ihrem zukünftigen Zuhaue schlafen. Was nach Abenteuer klang, war der pure Horror für mich. Ich habe auf dem harten Boden kein Auge zugetan.

Haben Sie darüber eine Kolumne geschrieben?
Heilanddonner, Sie haben Recht! Das könnte ich tatsächlich noch. Moment, ich notier mir das.

Sie schreiben sich mögliche Themen immer sofort auf?
Normalerweise nicht so altmodisch auf Papier, sondern auf meinem Tablet – aber ja. Ich halte stets die Augen offen nach Stoff für meine Kolumnen.

Was, wenn Sie nichts finden?
Das war noch nie der Fall. Aus den kleinsten Erlebnissen können super Geschichten entstehen. Wenn mir etwas Dummes passiert – Zug verpasst, Kaffitassli zerschmettert, Portemonnaie verhüeneret – ist das nur halb so schlimm. Denn die Kolumnen profitieren davon.

Haben Sie auch mal etwas extra der Kolumne zuliebe gemacht?
Ja. Ich habe schon über Dinge diskutiert, über die ich sonst nicht diskutieren würde. Fragen gestellt, die ich sonst nicht stellen würde …

… und ab und zu auch mal was erfunden?
Nein, ich verfälsche nichts. Ich schreibe nur, was mir wirklich passiert ist. Klar, ab und zu übertreibe ich, mache aus einer Mücke einen Elefanten oder schweife ins Absurde ab. Aber das sollten die Leserinnen und Leser merken.

Das dreibeinige Pony gibts also nicht?
Wie bitte?

In der Kolumne «Einmal um den Baum» schreiben Sie von Ihren Muttermalen und dass sie mit Kugelschreiber verbunden ein drei­beiniges Einhornpony mit Hut ergeben.
Ach so. Ja genau, spätestens da sollte der Leser, die Leserin merken, dass ich von derRealität wegkam. Wobei – ich habs noch nie versucht mit dem Kugelschreiber. Wer weiss, wer weiss …

Wie kommen Sie auf solch absurde Bilder?
Ich bin halt von etwas kurliger Natur – solche Bilder plane ich nicht, die entstehen einfach.

Haben Sie kein Konzept, bevor Sie mit einer Geschichte beginnen?
Nein, ich habe ein Thema und das reicht. Ich beginne mitten drin. Den Anfang schreibe ich meistens nach dem Ende – sollte ich zu solchem kommen.

Wieso nicht?
Ich habe viele angefangene Kolumnen. Ich musste lernen, nicht perfekt sein zu wollen und meine Ansprüche runterzuschrauben. Heute breche ich ab, sobald es harzt oder mir keinen Spass mehr macht. Meist passiert das, wenn ich zu lange an einer Geschichte omebäschele.

Brauchen Sie Druck, um effizient zu arbeiten?
Ja, unbedingt. Meine Deadline ist jeweils Montagmorgen, 8 Uhr. Bis dann muss die Kolumne auf der Redaktion der Schweizer Familie eintreffen. Oft schreibe ich am Abend vorher. Manchmal auch erst am Montagmorgen um 3 Uhr früh.

Auf den letzten Zacken.
Ja, zwischendurch gibts eine Feuerwehrübung, klappt aber auch.

3500 Zeichen Kreativität, Woche für Woche. Klingt anstrengend.
Wäre es das, würde ich es nicht machen. Klar, man muss am Ball bleiben. Aber sobalds anfängt zu verleiden, dann merkt das auch der Leser. Mir macht die Schreiberei Spass! Und ich habe ja selbst auch was davon: Ich war immer zu faul, um Tagebuch zu schreiben. Nun muss ich – und finds super. Ich schreibe sogar fast immer viel zu viel.

Wie kürzen Sie dann?
Ich habe in einem Kurs gelernt: Der letzte Satz kann fast immer ersatzlos gestrichen werden. Und Füllwörter fallen auch weg.

Etwa Mundartwörter?
Da streiche ich sicher nicht alle, sie gehören zu meinem Stil. Es gibt viele andere unnötige Füllwörter. Zum Beispiel das Wort «eigentlich». «Eigentlich» braucht es eigentlich nie. Ich schreibe nun seit drei Jahren für die Schweizer Familie, Woche für Woche, und durfte afig genau zweimal ein «eigentlich» stehen lassen.

Das klingt streng.
Ist es nicht, im Gegenteil: Sonst habe ich überhaupt keine Vorschriften. Ich sollte nicht zu politisch oder religiös werden, aber das will ich sowieso nicht.

Was wollen Sie dann?
Ich will unterhalten, ein Lächeln oder Lachen entlocken, einen Lichtblick bieten, meinen Humor teilen.

Was entspricht gar nicht Ihrem Humor?
Witze unter der Gürtellinie. Witze auf Kosten anderer. Obwohl mein Mann auch schon dran glauben musste. Letztens hat er mit mir geschimpft, weil ich Unwahrheiten über ihn verbreitet habe. Ich habe ihn ein Jahr älter gemacht, als er eigentlich ist. Mitten im Gespräch merkten wir beide: das gibt gleich die nächste Kolumne. Er hat ebenfalls einen Riecher für Geschichten entwickelt.

In zehn Jahren – was wird das Frölein Da Capo dann noch erreicht haben?
So weit voraus plane ich nicht. Eineinhalb Jahre bin ich verplant. Was danach kommt? Keine Ahnung. Dann habe ich wohl die ganze Deutschschweiz bespielt mit Konzerten.

Eine Europatour?
Nein, nein. Ich bleibe hier in der Deutschschweiz. Nicht weit weg von meiner Familie, von zuhause – jetzt wo wir umgebaut haben. Und ausserdem: Die Mundartwörter würden dieDeutschen ja gar nicht verstehen. Da haben selbst die Zürcher ihre Mühe. Imfau.

 
 

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