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Waltraud Arnold: «Im Leben muss man aus der Reihe tanzen»

Willisau Waltraud Arnold hat bei der Line-Dance-Weltmeisterschaft in San Francisco ordentlich abgeräumt. Weshalb Line Dance nicht das ist, wofür ihn viele halten – das erzählt sie dem WB.
Waltraud Arnold an der Weltmeisterschaft. Foto zvg
Frau Arnold, Sie sind in San Francisco gegen die weltbesten Line Dancer angetreten – mit Erfolg.

Die intensiven Vorbereitungen haben Früchte getragen, in der Tat. Ich übe Tag für Tag zwei Stunden Line Dance, am Wochenende gar bis zu sechs Stunden. Meiner Kondition, der schnellen Auffassungsgabe und der Routine ist es zu verdanken, dass ich nicht noch mehr trainieren muss. Und natürlich meinem holländischen Tanzpartner – ein wahrer Profi. Trotz allem: mit fünfmal Gold und zweimal Silber haben wir beide nicht gerechnet.

Sie sagen «wir beide». Line Dance zu zweit – wie soll das gehen?

Und da ist es wieder, das falsche Bild vom Line Dance: Es stehen ein paar lustige Leutchen in einer Reihe, gehen synchron vorwärts und zurück, klatschen und drehen sich. Das ist falsch.

Was ist also richtig?

Line Dance ist unglaublich vielfältig und bietet die Grundvoraussetzungen für so ziemlich jede Tanzart. Waltz und Swing, Cha-Cha-Cha und Two Step, Polka und Shuffle – um nur einige zu nennen. Line Dance kann sogar alleine getanzt werden. An der Weltmeisterschaft habe ich dabei den dritten Platz belegt. 2019 möchte ich Weltmeisterin werden.

Sie wollen zuoberst auf dem Podest stehen. Was sind die Voraussetzungen dafür?

Allgemein kann man sagen: Wer gut sein will, muss viel Zeit investieren, muss Disziplin, Ehrgeiz und Geduld haben. Zum guten Glück bin ich mir das als ehemalige Kunstturnerin und frühere Skilehrerin gewohnt. Am Wettbewerb werden das Rhythmusgefühl, die Technik und die Ausstrahlung bewertet.

Mit welchem Punkt haben Sie am meisten Mühe?

Mit dem letzten. Ausstrahlung, das bedeutet lächeln. Immer lächeln, so lange, bis die Mundwinkel schmerzen. Die Jury will Leidenschaft, Hingabe und Freude sehen.

Glitzernde Abendkleider, Cowboy-Stiefel und breitkrempige Hüte: Welcher Stellenwert hat das Aussehen?

Einen hohen. Als ich vor vier Jahren mit den Wettkämpfen begann, habe ich das Tamtam um diese Äusserlichkeiten noch belächelt. Ich wurde eines Besseren belehrt. Heute weiss ich: Das richtige Tanzoutfit ist quasi das Kostüm zu einem besseren «Ich». Es gibt Selbstbewusstsein und Sicherheit – und genau das sieht auch die Jury. In San Francisco habe ich satte 120 US-Dollar nur für Schminke und Frisur ausgegeben.

Gibt es für Sie ein modisches No-Go?

Nein, da sollen alle machen, was sie wollen. Allerdings habe ich als Lehrerin Mühe bei schlechten Schuhen. Echte Cowboy-Stiefel etwa. Sie sind zwar schön anzuschauen, aber total ungesund. Ich empfehle meinen Leuten immer, Tanzschuhe zu kaufen. Diese gibt es auch in Stiefelform, geben aber viel mehr Halt.

Sie haben erst vor 18 Jahren mit Line Dance begonnen. ­Trotzdem sind Sie heute Tanz­lehrerin und besitzen eine eigene Schule.

Ja, manchmal muss man sich getrauen. Einfach aus der Reihe tanzen – im Leben, nicht im Line Dance natürlich. Was kann schon passieren? Ich war immer begeistert von Country Dance und Music. Mit 42 Jahren habe ich mich einer Country-Line-Dance-Gruppe angeschlossen. Der Funke ist sofort gesprungen. Um meine Leidenschaft weiterzugeben, gründete ich bereits zwei Jahre später meine eigene Tanzgruppe, die Nashville-­Tennesse-Line-Dancers. Daraus ist die Schule entstanden. Voll und ganz auf Line Dance zu setzen: Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.

Weshalb sind die Schweizer so begeistert von diesem typisch amerikanischen Tanz?

Vielleicht ist es das Gefühl von Freiheit? Ich weiss es nicht. Aber abgesehen davon ist Line Dance längst nicht mehr nur amerikanisch. Klar wird grösstenteils zu Country – oder in meinem Fall zu «New Country» – getanzt. Aber das Schöne ist ja, dass es zu jedem Song eine dazugehörige Choreografie gibt, welche weltweit festgelegt ist. So haben wir auch schon zu Beatrice Egli oder DJ Bobo getanzt. Seit ich tanze, habe ich über 400 Choreos gelernt. Theoretisch könnte ich mich also jeder Line-Dance-Gruppe der Welt anschliessen und mittanzen.

Und praktisch?

Halten sich leider viele Gruppen nicht an die Choreos des Songs, sondern erfinden eigene. Vor allem in der Schweiz hat es unglaublich viele Laien-Gruppen, die leider nicht viel Ahnung von wahrem Line Dance haben. Aber solange es Spass macht – was solls?

Sie wollen 2019 Weltmeisterin werden. Welche Vorsätze haben Sie in diesem Jahr?

Ich werde an einigen Wettbewerben teilnehmen und dort alles geben. Aber grundsätzlich ist mein einzig wahres Ziel, gesund zu bleiben. Damit ich noch viele weitere Jahre das Tanzbein schwingen kann.

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