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Chantal und der Chantalismus

Das Kind beim Namen nennen. Keine einfache Aufgabe. Aber nicht nur die Promis wissen: Es lohnt sich, Wert darauf zu legen. «Nomen est omen», so lautet die Meinung der Namensforscher. Salopp übersetzt: «Der Name ist Programm.» Die Wissenschaft ist überzeugt, dass die Namensgebung sich auf den Charakter des Täuflings auswirkt, ja gar dessen Laufbahn bestimmt.

Du bist, wie du heisst. Marie etwa ist Mitglied des Literaturklubs, spricht sieben Sprachen und besucht regelmässig die Oper. Johanna – Grazie in Person, tanzt Ballett und spielt ausgezeichnet Klarinette. Und dann ist da noch die Chantal – «Schantall». Die kann nichts. In der Wissenschaft wird mein Name gar zu einem Synonym für bildungsferne, freche Problemkinder. «Chantalismus» nennt sich «die krankhafte Neigung von Eltern, ihren Kindern ungewöhnliche weibliche Vornamen zu geben». Die zugehörige Studie führt aus, was dieser «Chantalismus» beinhaltet: schlechtere Noten in der Schule, keinen Erfolg in der Berufswelt und weniger Sympathien im Bekanntenkreis. Merci gäu. Ich war nie unzufrieden mit meinem Namen. Bis jetzt. Denn neuste Zahlen und Fakten zeigen: Der Name ist ein Hindernis, überall im Leben. Sogar in der Liebe: «Singles bleiben lieber weiter allein, als sich mit einer Chantal zu treffen.»

In einem Kinoschlager wird einem Mädchen mit meinem Namen vom Klassenlehrer geraten, gefälligst leise zu heulen. Sprich: Chantals hätten nichts zu jammern, nichts zu melden, nur den Mund zu halten. Das tue ich nun. Immer mit dem Wissen, dass es da draussen jemanden gibt, der mir trotz allem zuhört. Der tiefes Verständnis für mein Problem zeigt. Und wenn ich nicht mehr weiter weiss, dann frag ich einfach ihn, mein männliches Pendant. Ja, zum Glück gibts noch den Kevin.

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