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Carte Blanche – Mein erstes Mal

Zerzauste Haare, blutige Knie und ein breites Lachen auf dem Gesicht: Ein Hauch von Freiheit, eingefangen auf dem Bild in meinem Fotoalbum. An meine Premiere im Velofahren kann ich mich nicht mehr erinnern. Eine rote Rübe

, Tränen in den Augen und schräge Töne: An den ersten Versuch, Saxofon zu spielen, möchte ich mich nicht mehr erinnern. Gestank in der Küche, leere Bäuche und kohlrabenschwarze Pfannen. Meine Familie wird sich leider noch lange an meine ersten, selbst gemachten Omeletten erinnern.

«Aller Anfang ist schwer.» 

Wie ein Mantra wiederhole ich den Satz. «Aller Anfang ist schwer.» Meine Finger zittern vor Aufregung. «Aller Anfang ist schwer.» Es bringt alles nichts. Mein nächster Anfang macht mich schampar nervös.

Wie ich mich fühle? Als müsste ich an einem Montagmorgen aufstehen. 5 Uhr. Um zu klettern. Die Eigernordwand. In Unterwäsche. Bei einem Schneesturm. Ungesichert. Ich bin zu jung, zu unverdorben, zu wenig erfahren für die bevorstehende Aufgabe. Ich wage mich an ein Urgestein. Und damit ist nicht die Eigernordwand gemeint.

Um diesen Brocken zu erklimmen, braucht es das beste Rüstzeug. So soll ich etwa mein Privatleben der Öffentlichkeit preisgeben. Wortgewandt – das ist die Mindestvoraussetzung. Mit Humor und Selbstironie lässt sich der Berg erklimmen. Auf den Gipfel jedoch gelange ich nur mit einer geschickten Pointe.

Liebe Carte blanche, ehrlich, ich finde dich beeindruckend. Du bist mehr als nur eine weisse Fläche, die es zu füllen gilt. Du bist das Schmunzeln an einem miesen Tag. Du fällst als gerührte Träne in den Morgenkaffee. Du bist das Thema am Stammtisch. Du bringst Abwechslung in den «Böttu», bist das persönliche Sprachrohr der Redaktion zur Leserschaft.

Liebe Carte blanche, es ist mir eine Ehre, dich schreiben zu dürfen. Hier und jetzt zum allerersten Mal. Es wäre gelogen zu sagen, es sei mir einfach gefallen. Nach fünf Espressi, einem Pack Studentenfutter und vier Schoggistängeli weiss ich: Aller Anfang ist schwer.

Diese Zeilen werden mich zeit­lebens daran erinnern.

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